Roboter, mach du das.
KI-Texte ersetzen menschlichen Text in vielen Bereichen. Und ganz ehrlich? Oft ist das kein großer Verlust. Wenn es etwa darum geht, Tausende ähnliche Produkte in einem Produktkatalog mit technischen, faktenbasierten Texten abzudecken – warum nicht? SEO-Texte, die schon lange mehr für die Maschine als für den Menschen geschrieben wurden, können nun endlich auch von der Maschine verfasst werden – ein Uroboros, der Drache, der seinen eigenen Schwanz verschlingt.

Maximieren, optimieren, manipulieren
Durch die KI eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, wie etwa jedem Empfänger individualisiert auf ihn persönlich zugeschnittene Inhalte zu präsentieren. Inhalte, die sich sogar noch während der Interaktion anpassen oder erweitern lassen. Per KI können parallel mehrere Textvarianten für z. B. Landing Pages oder Anzeigen auf ihre Wirkung getestet und evolutionsartig immer weiter verbessert werden, um die maximale Wirkung zu erreichen. Vollautomatisch und im Eiltempo.
Die Frage ist nur, ob diese maschinell perfektionierte Manipulation oder Anbiederung langfristig Erfolg hat, bzw. ob kurzfristige Maximierung von bestimmten Kennzahlen Vorrang vor einem langfristigen Aufbau eines glaubwürdigen Markenimages haben sollte. Wie würden Sie einen Menschen einschätzen, der Ihnen immer sagt, was Sie hören wollen, Sie auf jede erdenkliche Weise manipuliert, um ohne Rücksicht auf Verluste ein gewünschtes Verhalten von Ihnen zu erreichen? Wir haben einen Namen für solche Menschen – es sind Psychopathen.
Das Geld hat immer recht.
Ich will die Möglichkeit, mit diesen Tools Geld zu verdienen, nicht abstreiten. Doch es ist sehr relevant, auf welchem Terrain, welchem Marktbereich und welcher Branche wir uns bewegen. Die Noname-Marke, die Handyhüllen, billige Sweater mit AI-Aufdruck oder beliebig austauschbare Massenware verkauft, bei der das wichtigste Verkaufsargument der Preis ist, kann von diesen Tools enorm profitieren. Hier geht es nicht um Kundenbindung, sondern nur um diesen einen Sale, jetzt. Ob der Kunde schlecht von der Marke denkt, sie nicht in Erinnerung behält oder sogar enttäuscht vom letztendlichen Produkt ist, spielt in dieser Welt keine Rolle. Eine neue nichtssagende Marke, ein neuer Shop, ein neues Sortiment und neuer, generierter Marketingcontent sind spätestens 24 h online.
Einen Ruf zu verlieren
Doch klassische Unternehmen, die oft seit Jahren bestehen, können es sich nicht leisten, ihre Authentizität und das Vertrauen ihrer Kunden so leicht aufs Spiel zu setzen. Diese Kunden kaufen nicht nur ein Produkt, sie kaufen sich einen Teil ihrer Identität. Ob Mercedes, Makita, Leica, Breitling oder andere – die Entscheidung für eine Marke wird zum Teil der Erzählung über das eigene Selbst. Eine Enttäuschung oder gefühlte Manipulation durch die Marke wird als Verrat an dieser Bindung verstanden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie von einem guten Freund eine KI-generierte Antwort auf eine persönliche Mail erhalten würden – würden Sie sich betrogen, gering geschätzt oder nicht ernst genommen fühlen? In jedem Mal bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der Vertrauensverlust ist unvermeidbar.
Buchstäblicher Luxus
Jeder, dessen Geschäft Luxus ist – seien es Uhren, Immobilien, Autos, feines Handwerk oder Wein –, kann es sich nicht erlauben, seine Kommunikation dem Zufall zu überlassen. Der Wert dieser Marken besteht in der Vermittlung einer Liebe zum Detail, in langer Tradition und Kultur – durch den Einsatz von generierten Inhalten, unabhängig in welchem Bereich, wird all das untergraben. Aber abgesehen von dieser grundsätzlichen Unvereinbarkeit gibt es gute Gründe, seine Worte mit Bedacht zu wählen und diese Wahl nicht dem Computer zu überlassen.
In anderen Geschäftsfeldern ist eine Interaktion vielleicht 10 oder 100 Euro wert – im Luxusbereich hingegen kann der Umsatz, der sich auf einen einzigen Kunden zurückführen lässt, je nach Kundenbindung, Zeit und Produktsparte auch in die Millionen gehen. Unabhängig davon, ob es die erste Interaktion eines potenziellen Kunden mit der Marke oder ein Berührungspunkt während des Kundenverhältnisses ist – hier sollte wirklich jedes Wort zählen. Kommunikation, die authentisch, langfristig glaubwürdig, stringent, konsistent ist und das Niveau der Marke, des Produktes und der Kunden widerspiegelt.
